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SZ-Bericht: Wimpel hatte rettenden Engel
Wimpel hatte rettenden Engel
Adolf Engel versteckte die dreieckige Flagge der DJK Ensheim während der Nazizeit
In der Nazizeit gehörte viel Mut dazu, Symbole verbotener Vereine aufzubewahren. Ein Mitglied der DJK Ensheim hatte diesen Mut. Deswegen überstand der DJK-Wimpel die Tyrannei. Und ist, inzwischen restauriert, der Stolz des Vereins.
Von SZ-Mitarbeiter Frank Bredel
Ensheim. Der große Wimpel der DJK Ensheim hat den Zweiten Weltkrieg nur überdauert, weil ein mutiger Sportler die dreieckige Flagge unter dem Dach seines Hauses versteckte: Adolf Engel ging ein hohes Risiko ein. Die Nazis hatten die Deutsche Jugendkraft, eine katholische Sportorganisation, verboten. Auch in Ensheim wurden Vereinsunterlagen vernichtet. Und mit dem Verbot der DJK war der Besitz von Vereinsgegenständen strafbar. „Vieles ging uns damals verloren, doch den Wimpel hat Adolf Engel gerettet“, erzählt Günter Adt, der das grüne Schmuckstück aufbewahrt.
Der Wimpel zeugt von einer langen Ensheimer Vereinstradition. Der erste katholische Jünglingsverein wurde 1893 in Ensheim gegründet. „Jugendkraft“ war damals ein fester Bestandteil des Sprachschatzes und keineswegs eine Wortschöpfung von Vereinsgründern. Die Ziele: Sport und Gesundheitsförderung in einem Verein mit christlich-katholischen Grundwerten. In der Nazi-Zeit war das nicht möglich, wollten doch die Nationalsozialisten die Jugend ausschließlich selbst beeinflussen.
Günter Adt bewahrt heute den DJK-Wimpel bei sich daheim auf. Foto: Becker&Bredel
Als Engel 1924 Bezirksturnwart wurde, war die Ensheimer DJK sportlich recht erfolgreich. Leistungsberichte aus dieser Zeit zeugen von hoher Anerkennung der Turner. Am 6. September 1925 wurde der heutige Wimpel kirchlich geweiht. Er bekam seinen Segen und wurde Symbol eines aufstrebenden Vereins, der sich in Metz beim Katholikentag präsentierte und zu DJK-Reichstreffen den Wimpel nach Köln und Dortmund trug. Adolf Engel, der selbst als erfolgreicher Turner für Ensheim startete, half bei der Organisation eines Turnfestes in Ensheim mit 500 Teilnehmern im Jahr 1927. Es war ein sportlicher Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Das Protokollbuch aus dieser Zeit gehört zu den verlorenen Schätzen. Mit dem Verbot konfessioneller Vereine verschwanden sogar Sportgeräte und Pokale in privaten Verstecken. Einiges tauchte nie mehr auf. Adt weiß heute, dass Engel selbst unter starker Beobachtung stand. „Er hat sich aber nicht unterkriegen lassen und den Wimpel aufbewahrt“, erzählt Adt. Eine mutige Tat, schreckten doch die Nazis nicht einmal vor Morden zurück, um Andersdenkende auszuschalten. Sie brachten den DJK-Reichsführer Adalbert Probst 1934 während des so genannten Röhm-Putsches um. Doch die Ensheimer Sportler schworen ihrer DJK nicht ab und blieben selbst während des Krieges so gut es geht in Kontakt. 1957 wurde die DJK Ensheim neu gegründet. Die Chronik schreibt von „stürmischem Beifall für Adolf Engel“, als er die gerettete Flagge zeigte. Günter Adt war damals dabei, war erster Geschäftsführer des neuen Vereins, der heute 970 Mitglieder hat. „Unser Wimpel ist unser wichtigstes historisches Dokument“, sagt Adt heute. An nichts anderem könne man die bewegte Geschichte der DJK so verdeutlichen, wie an diesem Tuch, das in den 80er Jahren restauriert wurde. Sein Retter Engel ist inzwischen verstorben. Die Sportler in Ensheim ehren sein Andenken noch heute.
Quelle: Saarbrücker Zeitung, Ausgabe Stadtverband, vom 03.03.2011


